Reise in den Norden – Das andere Ghana

Im oberen Norden ist das Land karg, staubig und trocken. Die Landschaft ähnelt einer Buschsavanne. Die Straßen sind schnurstracks gerade und schwere, überladene Lastwägen transportieren Importgüter in den Norden und besonders nach Burkina Faso. Die Nächte sind unerträglich heiß, am Tag hat es im Schatten um die 40°C. Die Menschen, Großteils Muslime sind extrem bescheiden und freundlich. Ihre Dörfer sind Großteils ohne Strom, Fließendes Wasser, Handynetz oder Verkehrsanbindung. Die Baustile sind sehr unterschiedlich und an das lokale Klima angepasst, die Sprachen haben hier die größte Vielfalt.

Doch bevor ich ins Detail gehe, möchte ich erst erklären wie es dazu kam und wer aller mit von der Partie war:

Mein Kollege, Michael Strasser hatte Besuch von Freunden, mit denen er auch den Norden bereiste. Da kamen mir die Osterferien ganz gelegen und glücklicherweise legte sich auch meine Verkühlung wieder, sodass ich mitfahren konnte.

Die Crew setzte sich zusammen aus unseren Gästen Sarah, Kathi und Christoph; Michi dem Reiseorganisator; Tunde als einheimischer Begleiter und mir als.. – naja etwas von allem. 😉

Tag 1 – von Affen bis Tamale

So kam es, dass wir am Karfreitag, dem 29. März um 8:30 mit dem Trotro nach Fiema aufbrachen.

Die interessante Fahrt führte uns durch das Herz der Brong-Ahafo Region, vorbei an Yamfeldern, kleinen Dörfern und Techiman mit seinem riesigen Wochenmarkt. Nach Nkoranza, der Königsstadt hörte die befestigte Straße auf und weiter ging´s auf einer der staubigen Dirtroads nach Buabeng/Fiema. Dort hatten wir ein nettes Zusammentreffen mit den frechen Mona-Meerkatzen und scheuen Weißbart-Stummelaffen. Besonders mit den Monas haben wir uns köstlich amüsiert, als wir durch den kühlen Wald spazierten. Die zutraulichen Äffchen kommen her, reißen einem Bananen aus der Hand oder essen Erdnüsse von der Hand.

Die Fahrt ging weiter nach Kintampo, das für seine Wasserfälle bekannt ist. Die Stadt bildet außerdem die geographische Mitte Ghanas und liegt auf der Hauptverbindungsstraße in den Norden und nach Burkina Faso. Bei den Wasserfällen angekommen genossen wir die kühle Dusche und stein- Wasserrutsche. Jedoch waren wir keinesfalls allein. Der Ort war voll von Ghanaen, die mit uns Fotos knipsen wollten, was einigen von uns schließlich fast etwas zuviel wurde. 😉

Unser gemietetes Trotro fuhr uns wieder zurück nach Techiman, wo wir ein „normales“ Trotro in den Norden nach Tamale nahmen. Die lange Fahrt war aufgrund der abendlichen „Kühle“ und guten Straße für alle halbwegs erträglich. Angekommen in Tamale aßen wir Joloff- Rice, Fried Rice und Banku zum Abendessen auf der Busstation. Weil es bereits spät war, nahmen wir das nächstbeste Hotel, einer etwas heruntergekommenen Absteige in Tamale.

Tag 2 – eine anstrengende Reise

Morgens nahmen wir ein Taxi ins Stadtzentrum. Der Verkehr in Tamale ist total anders als Sunyani, anstatt der vielen Sammeltaxis gibt es hier eine riesige Flut von Mopeds, die leider viele Todesopfer fordern.

Im Stadtzentrum gab´s zu Frühstück lecker Eggbread, ein Omlett mit Zwiebel und Tomaten in einem angetoasteten Brot. Darauf gangen wir ins Culture- Center, den Kunst- und Ramschmarkt für Touristen, den es in jeder größeren Stadt gibt. Anschließend machten wir uns auf zur Trotro- Station, wo wir ein Fahrzeug nach Bolgatanga suchten. Michi kaufte die Tickets, während wir auf das Fahrzeug warteten, nicht wissend dass es bereits vor uns steht. So kam es, dass wir die aller unbequemsten Sitze, alle in verschiedenen Reihen ergatterten. Für einige wurde die Fahrt zum Horrortrip, einerseits aufgrund der unerträglichen Hitze und andererseits wegen schwitzenden Sitznachbarn, die auf einem hängen und pennen. Die Tatsache, dass Trotro-sitze generell nicht zu groß dimensioniert sind hat das Ganze nicht einfacher gemacht.

Wir waren ewig froh in Bolga angekommen zu sein, leider zeigten sich dort die Taxifahrer nicht sehr kooperativ und wollten uns voll übers Ohr Hauen. Jedoch lassen sich Österreicher nicht bescheißen und so kamen wir doch zu einem korrekten Preis zu unserer Unterkunft. Das Guesthouse war in sehr ruhiger Lage, einfach, aber sehr sauber.

Dort luden wir unser Gepäck ab und gingen was essen. Das Restaurant, „All People´s Canteen“ war ausgesprochen gut, nett und günstig. Wir aßen Perlhuhn, Ginefa genannt, mit Joloff Rice. – herrlich!

Am Heimweg organisierten wir uns noch lokales Hirsebier, Pito genannt. So saßen wir im Innenhof des Guesthouse und genossen das Bier, den Sternenhimmel und die kühle der Nacht. – wobei kühl natürlich relativ ist, waren wohl geschätzte 35°.

Wie gesagt, das Guesthouse war wunderbar, nur – und, jetzt kommts – ohne Klima. Für unsere Besucher, die aus dem winterlichen Europa kamen, ein Problem, dass sogar den Schlaf raubt.

Tag 3 – der hohe Norden

Wir schreiben das Jahr 2013, Es ist Ostersonntag, 7:15 Ortszeit. Ich war als erstes wach und genoss die schönen Morgenfarben im geschmackvoll ausgemalten Innenhof.

Gegen halb neun brachen wir auf zur Taxi Station, wo wir erstmal Frühstückten: Eggbred und Milo. Das heißt Brot mit Gemüseomlett (Zwiebel und Tomaten) mit Kakao. Anschließend fanden wir zwei nette Fahrer, die uns nach Navrongo fuhren, eine Stadt etwa 30km weiter nördlich. Navrongo ist eine Christenhochburg und wir besuchten den Ostersonntagsgottesdienst. Leider war die Messe in der vollen Kathedrale schon bei den Verlautbarungen angekommen.

Wenig später setzten wir unsere Reise fort, hoch hinaus in den äußersten Norden Ghanas. Unser eigentliches Reiseziel war Paga, ein Dorf unweit der Grenze zu Burkina Faso, wo es zahme Krokodile gibt. Am Weg dorthin bestaunten wir die Landschaft, eine Buschsavanne mit ausgetrockneten Flussbetten, monumentalen Baobab Bäumen (bei uns als Affenbrotbäume bekannt), und einsamen Dörfern ohne Strom und Wasser.

Angekommen in Paga hielten wir beim Chief´s Crocodile Pond. Der bestand aus einem umzäunten Teich, der auch in der Trockenzeit nicht austrocknet. Rundherum Ziegen, Schafe, Rind, einige Pferde und Menschen, die Wasser schöpfen oder sich waschen.

Als uns der Guide erzählte, dass in dem Teich 200 Krokodile drinnen sind, konnten wir es kaum glauben. Als wir näher zu Wasser gingen sahen wir einige, regungslos, mit offenem Maul im seichten Wasser. Der Führer ging ins Wasser, packte ein größeres Krokodil beim Schwanz und schob es an Land. Das Krokodil ließ sich alles gefallen und machte keinen Zucker.

Wie das Krokodil so da lag, knappe zwei Meter lang, mit offenem Maul und blutigen Zähnen, da fragte uns der Führer, wer denn als erstes ein Foto machen wolle. Gemeint war natürlich zusammen mit dem Krokodil, auf ihm draufsitzend.. – naja, fast. Ist schon ein ziemlich komisches Gefühl, wenn man seine Hand auf den gepanzerten Rücken eines so gefährlichen Tieres legt und seinen Puls fühlt. Nach einem Gruppenfoto wurde noch ein Kücken an ein Krokodil verfüttert, was vergleichsweise unspektakulär war. Das Krokodil schnappte schnell zu, vom Kücken war nichts mehr zu sehen und die Echse verschwand im Wasser. Bei einem kurzen Spaziergang rund um den Teich erzählte uns der Führer, dass die Tiere nachtaktiv sind und manchmal aus dem Zaun herausschlüpfen um sich im Dorf herumzutreiben. Passiert sei trotzdem noch nie etwas.

Anschließend fuhren wir noch die restlichen zwei Kilometer bis zur Grenze. Entgegen unseren Erwartungen fanden wir keinen schwer bewachten Grenzposten vor, sondern nur ein Rostiges Eisentor, das man theoretisch mit jedem besseren Auto überfahren könnte. Die LKWs voll mit Importgütern, wie z.B. neuen Luxusautos, warteten auf die Abwicklung der Zollformalitäten, ansonsten gab’s hier nichts Spektakuläres.

Auf der Heimfahrt nach Bolgatanga hielten wir bei einem der Riesigen Baobab Bäumen an. Die Bäume speichern Wasser in ihrem unglaublich dicken Stamm um die Trockenzeit zu überstehen.

Sehr interessant war auch noch unser Halt bei einem traditionellen Dorf das nahe der Straße lag. Der Weg dorthin ist, als würde man in eine andere Welt wandern. Man hat das Gefühl, hier ist die Zeit stehengeblieben, vom batteriebetriebenem Radio mal abgesehen.

Das kleine Dorf besteht aus 3 einzelnen Wohneinheiten, für die verschiedenen Familien. Jede Wohneinheit ist von einer Mauer umgeben, ähnlich wie bei einer Burg. Man darf sich das ganze nicht groß und wehrhaft vorstellen, alles ist sehr klein und einfach gebaut. Innerhalb der äußersten Mauer werden Hühner und andere Tiere gehalten, außerdem die Traditionellen „Kornsilos“, die wie kleine, runde Türme in den Himmel ragen. Innerhalb der inneren Mauer sind dann, mit der Mauer verschmolzen, vier kleine, eckige Hütten mit Flachdach. Eine Stiege führt zum Dach, dass zum Trocknen von Lebensmitteln und in der Trockenzeit zum Schlafen verwendet wird. Wasser wird in Sandsteingefäßen gespeichert, wo es gut frisch bleibt. Alle Gebäude sind aus dem Sand gebaut, der hier überall ist, die Unterkonstruktion aus Holz. Strom und Fließwasser gibt es nicht, oft auch keinen Handyempfang. Die Menschen sind meistens Hirsebauern und führen ein extrem einfaches, aber zufriedenes Leben.

Zurück in Bolga machten wir es uns erstmal im Guesthouse gemütlich, bevor Michi, Tunde und ich aufbrachen um Bolga zu erkunden. Während Michi das Trotro nach Tamale ausfindig machte, machte ich mich auf die Suche nach einer qualitativ hochwertigen Kamelleder- Geldtasche. Bolga ist bekannt für seine Handwerker, besonders für Lederwahren und Strohkörbe. Nachdem ich am Markt nicht fündig wurde, machte ich mich auf den Weg zum Culture Center, wo ich, ähnlich wie in Tamale der einzige Kunde war. Auch dort hab ich leider nicht gefunden was ich suchte. Es gab zwar jede Menge Geldbörserl, jedoch nichts Praktikables.

Gegen fünf Uhr abends machten wir uns auf nach Tamale. Aus dem Bus bestaunten wir die Landschaft im warmen Licht der untergehenden Sonne und die Leuchtend roten Wolken. Die Fahrt war diesmal angenehmer, da wir die letzten beiden Reihen kauften, also zehn Sitze für sechs Leute.

Als wir um neun in Kumasi ankamen war es bereits finster. Der Plan war, noch am selben Tag nach Mole zu kommen, was sich dann als beinahe unmöglich herausstellte. So quartierten wir bei Alhassan ein, eine Motel nahe der Busstation. Wir hatten ein luftiges Zimmer im ersten Stock und ein Zimmer mit Klima. Jedoch war Stromausfall in ganz Tamale, deshalb funktionierte die Klima ned. Glücklicherweise kam gegen elf der Strom zurück und alle hatten eine angenehme Nacht.

Tag 4 – Die Fahrt in den Dschungel

Von Tamale aus nach Mole zu fahren ist zwar die üblichste Route für das frequentierte Reiseziel, dennoch schien es uns schier unmöglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu kommen. Der Bus geht erst am Nachmittag und die Tickets waren bereits in der Früh ausverkauft, von Trotros (die es gibt) wussten wir nichts, so blieb nur noch ein Fahrzeug zu mieten. Unseren Auskünften zufolge ist die Straße so schlecht, dass man nur mit einem Geländefahrzeug durchkommt. So mieteten wir einen Landrover, klimatisiert und mit allem Luxus drum und dran. Der Spass war das teuerste unserer Reise und die Straße war überhaupt nicht schlecht. Für das Fahrzeug zahlten wir 230GHC, plus den Sprit für die Reise, 110GHC. Die meisten Ghanaen verdienen keine 340GHC im Monat! Egal, wenigstens waren wir an unserem Ziel angekommen!

Wenige km vor Mole machten wir Halt in Larabanga, das für seine alte Moschee bekannt ist. Der Legende zufolge wurde die relativ kleine Moschee 1421 auf mystische Weise hier errichtet.

Endlich in Mole angekommen bezogen wir das Zimmer. Das gut geführte Hotel hat eine unglaubliche Lage. Es wurde auf einer Anhöhe Errichtet. Von der Terrasse mit Pool überblickt man den Dschungel und direkt am Fuße der Geländestufe ist ein Wasserloch, wo die Elefanten trinken.

Am Weg vom Zimmer zum Pool liefen uns Warzenschweine und Antilopen über den Weg und vom Pool aus konnten wir die Sonne im Dschungel untertauchen sehen. Abends saßen wir noch mit einigen anderen Volontären, vornehmlich aus Deutschland zusammen und tauschten uns bei einem Bier über unsere Erfahrungen aus.

Obwohl der Ort unglaublich schön ist, man merkt einfach, dass hier ein Touristenort ist. Überall wird man ausgenommen, angefangen beim Parkeintritt, beim Bier, beim Wasser, bei den Zimmerpreisen und so weiter. Der Nationalpark und auch das Hotel untersteht dem Wildlife Department und somit der Regierung. Diese haben sich durch den hohen Eintritt in den Park eine Monopolstellung geschaffen und die umliegenden Orte, wie Larabanga profitieren von der Touristischen Goldgrube kaum.

Tag 5 – Safari und chillen am Pool

Morgens standen wir um sechs Uhr auf, um rechtzeitig zu der Safari zu kommen. Während wir so auf die Guides warteten ging ich aufs Klo und wie ich mich so umsehe stehen im Busch, keine zehn Meter entfernt von mir drei Riesengroße Elefanten. Ganz außer mir lief ich zu den anderen mit der Nachricht „Ein Elefaaant!!!“ Sie dachten ich nehm sie auf den Arm, gingen aber trotzdem die wenigen Schritte mit. Tatsächlich. Mittlerweile waren die Elefanten schon aus dem Busch herausgekommen und spazierten inmitten der Gebäude durch. Unglaublich.

Bevor die Safari mit dem Jeep losging, gingen wir mit unserem Guide nochmal zu den Elefanten, die mittlerweile etwas weiter unten Bäume schmatzten. Es ist unglaublich schön, den Elefanten dabei zuzusehen, wie sie sich mit ihren gewaltigen Rüsseln Äste von den Bäumen reißen und diese genüsslich verspeisen. Und das direkt vor der eigenen Nase, keine zehn Meter entfernt.

Die Safari mit dem Jeep war dann weniger Spektakulär, wir sahen verschiedene Antilopen Arten, Vögel und Wildschweine. Am Ende gingen wir nahe zum Wasserloch, wo die Elefanten badeten. Unglaublich schön.

Zurück im Hotel gabs erstmal Frühstück, dann gönnten wir uns eine nette Zeit am Pool. Am Nachmittag machten wir uns dann auf weiter Westlich nach Sawla um von dort nach Techiman zu fahren. Diesmal nahmen wir keinen Landrover, sondern einen Ford- Van, der jetzt als Trotro im Einsatz ist. In Sawla hatten wir es sehr schwierig ein Fahrzeug nach Techiman zu bekommen, weil uns der Trotro Fahrer übers Ohr hauen wollte, was er dann teilweise geschafft hat. In Techiman ist uns dann endgültig das Geld ausgegangen und wir fragten einen Freund, Askot, ob er uns was leihen kann, damit wir den Trotro Fahrer bezahlen können und weiter nach Sunyani kommen.

Von Techiman nach Sunyani hatten wir einen kleinen Unfall mit Blechschaden, nichts spektakuläres. Saumüde kamen wir mitten in der Nacht in Sunyani an. Bei ein paar Bier saßen wir noch einige Stunden auf der Terrasse und quatschten über die Highlights unserer Reise.

Noch ein paar Fakten zu unserer Reise: In fünf Tagen legten wir 1400km zurück. Es wurden etwa 2000!! Fotos gemacht. Jedem hat die Reise 500GHC gekosten, was etwa 200€ sind.

Ich war echt froh dass ich mitgefahren bin, wegen meiner Verkühlung war es ja ned sicher. Danke an alle, Michi, Sarah, Kathi, Christoph und Tunde für die coole Zeit mit euch, möchte i auf keinen Fall missen!

LG Luki

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